Wie können sog. somatoforme Störungen entstehen?

Dass es einen Zusammenhang zwischen Körper und Seele gibt, haben die meisten von uns schon häufig erfahren. Nicht umsonst sprechen wir in der Umgangssprache von Dingen, die uns "auf den Magen schlagen", "dem Kloß im Hals", von "der Galle, die uns überläuft" oder von "der Stimme, die es uns verschlägt".
Dabei werden Zusammenhänge zwischen Gefühlen und körperlichen Reaktionen deutlich. Wenn sich eine somatoforme Störung (als eine körperliche Störung auf psychischem Hintergrund) entwickelt, so kann häufig das Gefühl, das eigentlich zugrunde liegt, gar nicht wahrgenommen werden. Statt dessen wird die körperliche Reaktion registriert, die allerdings unerklärlich bleibt. Diese unerklärliche körperliche Symptomatik beunruhigt starkt, entsprechend erfolgt ein Aufsuchen von Ärzten, die dann aber meist keinen oder einen minimalen, die Beschwerden nicht erklärenden Befund erheben können. Oft beginnt dann eine Odyssee von Arzt zu Arzt, die nicht selten Jahre dauert und für den Betreffenden immer wieder die Situation mit sich bringt, dass er sich quasi als "Simulant" fühlt, der er keineswegs ist. Nicht selten entwickelt sich eine zunehmende Neigung zur Selbstbeobachtung, wobei auftretende Symptome eine große Beunruhigung auslösen. Auch medizinische Untersuchungen und ärztliche Versicherungen, dass "keine ernsthafte Erkrankung" vorliegt, können dann oft keine Sicherheit mehr vermitteln.

Somatoforme Störungen können in allen Organbereichen auftauchen, sie können den Bewegungsapparat betreffen, können sich aber auch als vielfache, diffuse Beschwerden äußern. In jedem Fall ist es sinnvoll, bei Auftreten solcher Symptome zunächst eine genaue medizinische Untersuchung in die Wege zu leiten, um auszuschließen, dass eine anderweitige körpermedizinisch zu behandelnde Erkrankung vorliegt. Ist dies nicht der Fall, ist es aber ratsam, sich umgehend in entsprechend psychotherapeutische Behandlung zu begeben.


Bei sog. "somatoformen Störungen" werden körperliche und seelische Vorgänge getrennt voneinander erlebt. Ziel der Therapie ist es deshalb u. a., die Sensibilität zunächst für zeitliche, dann aber auch für kausale Zusammenhänge zwischen körperlichen und seelischem Erleben zu fördern.

 

Wege aus psychisch begründeten körperlichen Symptomen

1. Informationsvermittlung und Vermittlung zu Bewältigungstrategien zum Krankheitsbild somatoforme Störung

Diese erfolgen in der Burghof-Klinik im Rahmen von:

  • Gruppe für somatoforme Störungen
  • Einzelgesprächen
  • Psychoedukativen „Abend“ - Gesprächen

 

2. Verbesserte Wahrnehmung von Zusammenhängen zwischen körperlichen und psychischen Prozessen

Hierzu sind Therapieverfahren geeignet, die einerseits die körperliche Wahrnehmung fördern, andererseits aber auch die damit verbunden Gefühle spürbar machen.


Geeignete Therapieverfahren:

  • Gruppe für somatoforme Störungen
  • Körperwahrnehmung
  • Tanztherapie
  • Feldenkraistherapie

 

3. Erkennen und Verstehen (unbewusster) Konflikte, die bei der Entstehung und Aufrechterhaltung der somatoformen Störungen eine Rolle spielen

Auch somatoformen Störungen liegen häufig Konflike zugrunde, die dem Bewusstsein nicht zugänglich also unbewusst sind. Diese Konflikte sind üblicherweise von unangenehmen Gefühlen begleitet. Bei somatoformen Störungen werden diese Gefühle oft kaum wahrgenommen. Statt dessen stehen die durch die Gefühle ausgelösten körperlichen Beschwerden, die sich immer mehr verselbständigen, im Vordergrund. Entsprechend sollten nicht nur die Gefühle sondern auch die zugrunde liegenden Konflike behutsam bewusstgemacht werden, um Lösungen und alternative Erlebens- und Verhaltensweisen zu ermöglichen.


Geeignete Therapieverfahren:

  • Psychodynamische Einzeltherapie
  • Psychodynamische Gruppenpsychotherapie
  • Psychodramatherapie
  • Problembewältigungsgruppe
  • Strukturgruppe

 

4. Veränderung der Einstellung zum eigenen Körper, Fördern von positiven und entspannenden, wohltuenden Körpererlebnissen, Aktivierung von Ressourcen

Derartige Erfahrungen können zunehmend ein Gegengewicht bilden zu der sich entwickelnden ständigen Angst vor schwerer körperlicher Erkrankung und dem permanenten störungsverstärkenden „In-sich-Hineinhorchen“.


Geeignete Therapieverfahren:

  • Autogenes Training
  • Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson
  • Feldenkraistherapie
  • körperliche Aktivierungsangebote
  • Ich-stärkende Hypnosebehandlung
  • Kunsttherapie
  • Gestaltungstherapie

 

5. Medikamtöse Therapie

Psychopharmaka insbesondere Antidepressiva haben sich bei der Behandlung somatoformer Störungen bewährt. Diese werden in der Burghof-Klinik nach sorgfältiger Prüfung der Indikation und unter sorgfältiger Überwachung der Wirkungen, Nebenwirkungen und Dosierungen verabreicht. Es ist uns wichtig, unsere Patientinnen und Patienten über die Wirksamkeit, Nebenwirkungen und Alternativen intensiv zu informieren, um ihnen Mitsprachemöglichkeiten einzuräumen und gemeinsame Entscheidungen zu finden.