Wenn starre Erlebens- und Verhaltensmuster zu Leiden führen

Der Mensch befindet sich als lebendes System in ständigem Austausch mit seiner Umwelt. Dabei hat jeder von uns einen ganz eigenen Stil entwickelt, wie er diesen Austausch erlebt und gestaltet, der stark von seinen bisherigen Erfahrungen mit der Umwelt abhängt. Dieser Stil bestimmt die Art, wie wir uns selbst und andere Menschen wahrnehmen, aber auch unsere Kommunikations- und Bindungsbereitschaft Anderen gegenüber.


Wenn sich - etwa durch ungünstige bisherige Lebenserfahrungen - ein starres Erlebens- und Verhaltensmuster entwickelt hat, kann dies zu Ieidvollen Störungen im Selbsterleben, v.a. aber auch zu schweren, sich ständig in ähnlicher Form wiederholenden Störungen in den Beziehungen zu anderen Menschen führen und die soziale Funktions- und Leistungsfähigkeit einschränken. Persönlichkeitsstörungen sind somit als Extremvarianten bestimmter Persönlichkeitsstile zu sehen, wie sie jeder von uns entwickelt hat.


Die Symptomatik von Persönlichkeitsstörungen ist dementsprechend sehr vielgestaltig. Beispiele wären etwa eine sehr stark misstrauisch-empfindliche Haltung der gesamten Umwelt gegenüber oder emotionale Kühle und ausgeprägtes Rückzugsverhalten. Aber auch mangelnde Impulskontrolle, eine sehr schwere Selbstwertproblematik oder stark abhängiges, ängstlich-vermeidendes oder sehr zwanghaftes Verhalten können Ausdruck einer Persönlichkeitsstörung sein. Charakteristisch für die Symptomatik bei Persönlichkeitsstörungen ist, dass sie lang anhaltend ist und als leidvoll erlebt wird.

 

Wege aus starren Erlebens- und Verhaltensmustern

1. Informationsvermittlung über Persönlichkeitsstörungen:

Geeignete Therapieverfahren

  • Einzelgespräche
  • psychoedukative "Abend"- Gespräche

 

2. Wahrnehmung eigener Erlebens- und Verhaltensmuster, Korrektur eingefahrener Denkschemata, Entwicklung von Alternativen:

Geeignete Therapieverfahren:

  • Strukturgruppe
  • Emotionsgruppe (in Anlehnung an das Psychodrama)
  • psychodynamisches oder verhaltenstherapeutisches Einzelgespräch
  • soziales Fertigkeitstraining

 

3. Verbesserung der Selbstwahrnehmung, Aktivierung von Ressourcen, Förderung sog. "gesunder“ Anteile:

Geeignete Therapieverfahren:

  • Tanztherapie
  • verschiedene Formen der Musiktherapie
  • Kunsttherapie
  • Gestaltungstherapie
  • Meditationstherapie
  • körperliche Aktivierungsangebote

 

4. Regulation von Spannungs- und Unruhezuständen:

Geeignete Therapieverfahren:

  • Achtsamkeitstraining
  • Autogenes Training
  • Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson
  • Ich-stärkende Hypnosebehandlung

 

5. Medikamentöse Therapie:

Eine psychopharmakologische Behandlung kann v.a. bei krisenhaften Zuspitzungeri manchmal hilfreich sein.