Wenn überflutende Emotionen zu Leiden führen

Wechselnde, manchmal sehr heftige Gefühle sind jedem von uns bekannt.

Bei der Borderline-Störung besteht aber eine tiefgreifende Störung in der Regulation von Gefühlen. Diese fluten schneller an, sind heftiger und bilden sich nur langsam wieder zurück. Die Betreffenden erleben dieses als einen unerträglichen Spannungszustand, wobei das eigentliche Gefühl (z. B. Wut, Scham oder Angst) meist gar nicht genannt werden kann. In diesem Spannungszustand kommt es häufig zu vorübergehenden Störungen in der Wahrnehmung der eigenen Person oder der Umgebung. Um diese Spannungszustände zu beenden, werden oft problematische Verhaltensweisen, wie Selbstverletzungen, Essanfälle, Hochrisikoverhalten oder die Einnahme von Suchtmitteln, eingesetzt.


Diese hoch emotionalen Phasen wechseln mit Zuständen innerer Leere ab, die ebenfalls als quälend und unangenehm erlebt werden.


Damit vergesellschaftet sind oft tiefgreifende Gefühle von Unsicherheit bezüglich der eigenen Identität sowie ein stark negatives Selbst- und Körperbild.


Im zwischenmenschlichen Bereich kommt es zu Schwierigkeiten, Nähe und Distanz auszubalancieren. Beziehungen sind dadurch schwierig und von heftigen Trennungs- und Wiederannäherungsprozessen bestimmt.

 

Wege aus der Borderline-Störung

1. Vereinbarung mit den Patientinnen oder Patienten, dass selbstschädigendes und therapieschädigendes Verhalten (in dieser Reihenfolge) in jedem Fall vorrangig behandelt werden. Aufzeigen der Möglichkeiten aber auch der Grenzen des hiesigen Behandlungssettings.

 

2. Informationsvermittlung über das Krankheitsbild der Borderline-Störung

Geeignete Therapieverfahren:

  • Borderline-Programm nach M. Linehan
  • Einzelgespräche

 

3. Analyse und Korrektur problematischer Verhaltensweisen und Verhaltensanalysen

Geeignete Therapieverfahren:

  • Borderline-Programm nach M. Linehan.
  • Einzelgespräch

 

4. Aufbau von Stresstoleranz, verbesserte Wahrnehmung und Modulation von Emotionen, aufbauen „innerer Achtsamkeit“, Fertigkeitentraining im Rahmen der Emotionsgruppe.

  • Sog. Fertigkeitstraining im Rahmen des Borderline-Programmes nach M. Linehan

 

5. Verbesserte Körper- und Gefühlswahrnehmung

Geeignete Therapieverfahren:

  • Körpertherapie im Rahmen des Borderline-Programmes
  • Protokollgruppe im Rahmen des Borderline-Programmes

 

6. Aufbau zwischenmenschlicher Fähigkeiten

Geeignete Therapieverfahren:

  • Soziales Fertigkeitstraining
  • Strukturgruppe

 

7. Psychodynamische Ansätze in der Behandlung von Patientinnen und Patienten mit  Borderline-Störungen

Geeignete Therapieverfahren:

  • Interaktionelle Einzeltherapie
  • Psychodynamische Gruppenpsychotherapie
  • Psychodramatherapie
  • Emotionsgruppe

Nach Rückgang des selbst- bzw. therapieschädigenden Verhaltens.

 

8. Medikamentöse Therapie

Eine psychopharmakologische Behandlung ist oft u. a. bei stark überflutenden Emotionen und Krisensituationen hilfreich.